Kategorie: Body Interact

Body Interact beim Malteser Bildungszentrum HRS


 

Body Interact – Virtuelle Simulation in der Notfallsanitäter Aus- und Fortbildung

In der vergangenen Woche wurde im HRS Bildungszentrum der Malteser in Wetzlar eine neuartige virtuelle Patientensimulation eingesetzt. Die dortige Notfallsanitäter Klasse, welche sich im 2. Lehrjahr befindet, durfte als eine der ersten in Deutschland das neue Produkt Body Interact einsetzen, welches von der Skillqube GmbH im deutschsprachigen Raum angeboten wird.

Body Interact ist eine virtuelle Simulation, welche klinische und präklinische Fälle für die Aus- und Fortbildung von medizinischem Personal bereithält. Einfach und ohne große Vorbereitung, kann das System gestartet und Fälle und Szenarien aus dem Alltag absolviert werden. Dazu erhält der Anwender im Vorfeld eine Beschreibung der Einsatzsituation und allgemeine Angaben zum Patienten. Anschließend ist er selbst in der Lage eine Anamnese und diagnostische Maßnahmen durchführen zu können, um nicht zuletzt eine Verdachtsdiagnose ableiten und erste Behandlungsschritte einleiten zu können.

Und genau dafür wurde das System auch entwickelt. Unter dem in der Notfallmedizin recht jungen Begriff des „Clinical Reasoning“, verstehen wir alle Gedankenabläufe und Entscheidungsfindungen, die während der Untersuchung und Behandlung am Patienten stattfinden. Einfach gesagt: Clinical Reasoning ist der Prozess zur Verknüpfung der gesammelten Informationen zum Patienten, mit dem Ziel, eine Arbeitsdiagnose stellen zu können. (Weitere Informationen zu Clinical Reasoning finden Sie auch unter www.skillqube.com/2016/07/13/clinical-reasoning/)

Nach einer Einführung in das Thema Clinical Reasoning durften die Auszubildenden Notfallsanitäter dann selbst Hand anlegen. Gemeinsam mit den Dozenten wurden an mehreren Tagen der vergangenen Woche die Praxis-Fallbeispiele und die ersten virtuellen Simulationen durchgearbeitet und unter der Beachtung verschiedener Lernziele im Nachhinein moderiert. Die zukünftigen Notfallsanitäter werden nach ihrem nächsten Praxis Block dann die Möglichkeit bekommen, die Szenarien selbst von zu Hause über einen personalisierten Online Login bzw. über Tablet’s absolvieren zu können. Damit können die Auszubildenden ihr eigenes Lerntempo bestimmen und verschiedene Behandlungen und Therapiemöglichkeiten ausprobieren und ihre Handlungskompetenz fördern.

Body Interact ist ein Produkt des portugiesischen Unternehmens TTW Take The Wind Ltd. mit Sitz in Coimbra. Die Entwicklung der neuartigen Patientensimulations-Software nahm fast fünf Jahre in Anspruch. Sie findet Anwendung in der Aus- und Fortbildungen von medizinischem Personal in Klinik und Präklinik. So beispielsweise an Schulen für Rettungsfachpersonal und Fachschulen für Gesundheitsfachberufe sowie in der studentischen Lehre der Humanmedizin.

Was ist Clinical Reasoning?


 

Clinical Reasoning ist der elementarste Bestandteil einer jeden modernen Patientenversorgung. Dennoch ist dieser Begriff im medizinischen Alltag und in der Lehre kaum bekannt. Der in der Juli Ausgabe der Zeitschrift Rettungsdienst publizierte Artikel soll auf verständliche Weise beleuchten, was sich hinter dem Begriff Clinical Reasoning verbirgt und Denkanstöße liefern, Clinical Reasoning in der Lehre gezielt zu fördern, um es als instrument zur Verbesserung des Lernerfolgs gezielt zu nutzen.

Was ist Clinical Reasoning?

Für die Wortkombination „Clinical Reasoning“ gibt es kein eindeutig entsprechendes deutsches Gegenstück, daher ist es sinnvoll, sie in der Originalsprache zu belassen. Die inhaltliche Bedeutung der Wortkombination wird mit der freien Übersetzung „klinische Beweisführung“ deutlich. Doch was ist damit gemeint? Konkret geht es um alle Gedankenabläufe und Entscheidungsfindungen des medizinischen Personals, die während der Untersuchung und Behandlung eines Patienten stattfinden und die Patientenbehandlung beeinflussen. Dieser Satz klingt einfach und beschreibt dennoch komplexe und umfassende Vorgänge (1, 11). Im Prozess des Clinical Reasoning (Abb. 2) werden ab dem ersten Kontakt mit einem Patienten, unter Zuhilfenahme evidenzbasierter Leitlinien und Algorithmen, Informationen gesammelt. Diese führen zu zielgerichteten und wissenschaftlich fundierten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mit einem im Idealfall besseren Patientenoutcome. Gute CR-Strategien unterstützen den Behandlungsprozess, um einem Patienten eine der individuellen Situation angepasste, leitliniengerechte Versorgung zukommen zu lassen (1).

Abb. 2: Prozess und Bestandteile des Clinical Reasoning

Abb. 2: Prozess und Bestandteile des Clinical Reasoning

Jeder praktiziert Clinical Reasoning

Obwohl der Begriff im deutschen Sprachgebrauch nicht oft vorkommt, dürfte der vorweg beschriebene Prozess jeder handelnden medizinischen Fachkraft bekannt sein (Abb. 3). Aus gelerntem Fachwissen, den Eindrücken des aktuellen Patientenzustandes sowie einem über die Berufslaufbahn erworbenen Erfahrungsschatz treffen Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung zügig passende Behandlungsentscheidungen und legen entsprechende, auf die Situation zugeschnittene Prioritäten fest. Sie haben sich mit der Zeit angeeignet, bestimmte auftretende Muster wiederzuerkennen und nach ihnen zu handeln (12). Die hiermit in Zusammenhang stehenden Handlungsabläufe finden häufig unbewusst statt. Demgegenüber stehen diejenigen, die bisher nur wenig Erfahrung in der Patientenversorgung sammeln konnten: Medizinstudenten, angehende Pflegefachkräfte und Auszubildende zum Notfall- oder Rettungssanitäter. Ihnen stehen zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn das erworbene Fachwissen aus der theoretischen und praktischen Ausbildung und die Eindrücke des aktuell zu versorgenden Patienten zur Verfügung. Ihnen mangelt es zunächst an praktischen Erfahrungen in der Patientenversorgung und damit an kognitiven Mustern und „Paradebeispielen“. Dies führt dazu, dass sie Informationen über den Patienten bewusster mit dem gelernten Wissen abgleichen und – hierdurch bedingt – Entscheidungen bewusster treffen. Dieser Vorgang dauert in der Tendenz länger und bringt eine größere Anzahl an unpräziseren Verdachtsdiagnosen hervor (2).

Das Lernen beginnt nach der Ausbildung

Vermutlich haben viele von uns am Ende ihrer Ausbildung schon Sätze gehört wie „Jetzt geht das Lernen erst richtig los“ oder „Der Rest kommt dann mit der Zeit“. Woher kommen solche Aussagen? Es ist zu vermuten, dass den Ausbildungsabsolventen – seien es nun Ärzte, Pflegekräfte oder Notfallsanitäter – ein wichtiger Teil zum souveränen Clinical Reasoning fehlt, nämlich berufliche Erfahrung in ihrer jeweiligen Tätigkeit und die Fähigkeit, wiederkehrende Muster zu erkennen. Es stellt sich die Frage, inwieweit es uns heute gelingt, den Lernenden während ihrer Ausbildungszeit ausreichend Handlungs- und vor allem Entscheidungskompetenz für ihren Berufsalltag zu vermitteln (Abb. 3).

Abb. 3 Berufliche Handlungskompetenz

Abb. 3 Berufliche Handlungskompetenz

Aufgrund fehlender Forschungstätigkeit in dieser Disziplin liegen für den Rettungsdienst zumeist keine evidenten Zahlen vor. Für die ärztliche Ausbildung kann konstatiert werden, dass sich 65 bis 75% der Medizinstudenten nicht gut auf ihren Beruf vorbereitet fühlen (3, 4). Wie können wir den Studierenden und Auszubildenden bewusste Erfahrungen ohne jahrelange Berufspraxis ermöglichen und somit Sicherheit im Clinical Reasoning schaffen? Das Ziel ist, die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Clinical Reasoning Education (CRE)

Die Grundlage der Ausbildung in diesem Bereich ist die Kenntnis der aktuell evidenzbasierten Behandlungsmethoden und Algorithmen. Diese grundlegenden Komponenten müssen zwingend vermittelt und gelernt werden. Das zentrale Element, um Clinical Reasoning zu vermitteln, besteht darin, die unbewusste Bildung von wiederkehrenden Mustern und Abläufen den Studenten und Auszubildenden bewusst zu machen. Gedanken sollen sichtbar und nachvollziehbar werden (10). Dies kann zum einen durch eine Verbalisierung durch den Lernenden erfolgen, indem er seine Gedanken laut ausspricht. Zudem können z.B. Mind Maps helfen, Gedanken und Verknüpfungen zu visualisieren und auf diese Weise für andere sichtbar werden zu lassen.

Entscheidend sind Anregungen und Aufforderungen des Trainers. Mit den richtigen Fragen an der richtigen Stelle („Was denkst du über diesen Sachverhalt?“, „Was verwundert dich?“ und immer wieder die Frage nach dem „Warum …?“) ermöglicht er es dem Lernenden, sich über seine eigenen Vorgehensweisen am Patienten bewusst zu werden. Ist sich der Student oder Auszubildende seines Handelns bewusst, kann er universelle Muster entwickeln und diese in weiteren Szenarien anwenden. Durch diese Vorgehensweise entsteht tiefes Lernen mit einer nachhaltigen Sicherheit für die berufliche Realität.

CRE umsetzen

Es gibt viele Möglichkeiten und Methoden, Clinical Reasoning zu erlernen. An dieser Stelle sollen einige der derzeit an Lehrkrankenhäusern, Krankenpflegeschulen und Lehrrettungswachen praktizierten Methoden betrachtet werden.

Lernen am echten Patienten ➜

Diese Möglichkeit wird Medizinstudenten phasenweise während des Studiums und im praktischen Jahr gegeben. Auszubildende im Rettungsdienst und der Krankenpflege bekommen während ihrer Praktika in der Klinik und am Einsatzort Kontakt zu echten Patienten. An realen Fällen zu lernen, hat grundsätzlich das größte Potenzial, CR-Fähigkeiten auf die eigene Arbeitsweise zu transferieren. Es bringt dem Lernenden zusätzliche Motivation, einen Einblick in sein berufliches Umfeld zu bekommen und wird von vielen explizit gewünscht (7). Die Komplexität eines echten Falles birgt mit seinen vielen Variablen jedoch auch die Gefahr, einen Lernenden zu überfordern und den Patienten zu gefährden. Um Clinical Reasoning nachhaltig zu erlernen, muss der behandelte Fall zeitintensiv und damit kostenintensiv aufgearbeitet werden. Dies kann im heutigen Alltag des Gesundheitswesens mit strenger finanzieller Reglementierung, hoher Arbeitsbelastung und Personalknappheit in allen Sektoren nur unter großer Anstrengung ermöglicht werden.

Lernen in der Simulation ➜

Simulation entschärft die Situation, die Lehre in das Arbeitsumfeld zu integrieren. In der Simulation werden mit verschiedenen Mitteln Fälle dargestellt und von den Lernenden unter Beobachtung der Instruktoren – idealerweise ohne deren Eingreifen – abgearbeitet. Inzwischen erkennen immer mehr Kliniken und Rettungsdienste den Wert von Simulation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung und lassen ihre Mitarbeiter und Auszubildenden am Simulator lernen (5). Simulation nach aktuellen Standards, unbeachtet ob in situ oder nicht, bietet ideale Möglichkeiten zur Falldarstellung. Hier können nicht nur durch die in der Simulation dargestellten Sachverhalte, sondern in erster Linie durch ein gezieltes und professionelles CR-Debriefing die Fertigkeiten der Teilnehmer verbessert werden. Gute Simulation erfordert einen hohen Aufwand und die Konkurrenz zu anderen Lerngebieten ist groß. Human Factors und Crisis Resource Management können im Debriefing sehr gut behandelt werden. Leider wird derzeit auch noch zu oft wertvolle Simulationszeit für das reine Skillstraining aufgewandt.

Lernen am virtuellen Patienten ➜

Es ist dahingehend eine Entwicklung zu spüren, dass Clinical Reasoning mit dafür speziell programmierten Software-Lösungen trainiert wird. Die Nutzung virtueller Patienten ist der konventionellen Simulation gleichgestellt (6). Sie bringt messbaren Nutzen im Hinblick auf die Kosteneffizienz und die Verbesserung der CR-Fertigkeiten (9) (Abb. 4).

Abb. 4: Patienten-Simulations-Software

Abb. 4: Patienten-Simulations-Software

Derzeit werden verschiedene Ansätze entwickelt. Ein verfügbares System, das u.a. das „Seal of Excellence“der Europäischen Kommission im Jahr 2016 verliehen bekommen hat, ist Body InteractTM (14). Diese Lösung stellt einen virtuellen Patienten und seinen gesundheitlichen Zustand anhand eines simulierten physiologischen Modells dar. Die Lernenden haben die Möglichkeit, Anamnese, Diagnostik und Therapie in Echtzeit durchzuführen. Durch die spielerischen und gruppendynamischen Aspekte entwickelt der Lernende zudem eine hohe Lernmotivation. Der Ausbilder hat die Möglichkeit, die Simulation jederzeit zu unterbrechen und damit die Dynamik des Falles zu kontrollieren. So können die einzelnen Schritte des CR über Informationssammlung bis zur Therapie gemeinsam erarbeitet werden. Durch die hohe Teilnehmerakzeptanz (7) und gezielte Fragestellungen seitens des Ausbilders wird das Unterrichtsgespräch gefördert und die Überlegungen der Teilnehmer werden kommuniziert und nachvollziehbar gemacht (10). Aus der weitergehenden Reflexion vieler Fälle eines vergleichbaren Themas und der immer weiter angewandten Abstraktion entstehen nach und nach die Muster und die Entscheidungsfähigkeit, die im Beruf den Anfänger vom Profi unterscheiden (13). Dies ist der Punkt, an dem simulierte Patienten eindeutig helfen, die Unsicherheit beim Schritt in das Berufsleben zu reduzieren (9). Die Clinical-Reasoning-Education-Software erfordert vom Lehrenden Verständnis der CR-Grundlagen. Dem Teilnehmer muss die Lernmethode eindeutig kommuniziert werden. Geschieht dies nicht, wird er wahrscheinlich in seiner Erwartungshaltung, ein Fallszenario zu erleben und im Anschluss eine Bewertung zu erhalten, enttäuscht werden. Es kommt nicht darauf an, eine Situation real zu erleben, sondern sie anhand ihrer realitätsrelevanten Aspekte zu analysieren. Dies erfordert, dass Ausbilder und Lernender die Herausforderung annehmen, neue Unterrichtsansätze sowie -methoden zu erlernen und anzuwenden. Durch den Wandel der medizinischen Ausbildung mit Modellstudiengängen in der Medizin und mit dem neuen Berufsbild des Notfallsanitäters ergeben sich durch solche innovativen Ansätze Chancen, die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.

Denken Sie bewusst!

Clinical Reasoning ist uns wenig bewusst, aber im Grundgedanken schon aktuell ein Teil unserer Arbeit als medizinische Fachkräfte. Dass die derzeitige Ausbildung im medizinischen Bereich stellenweise Schwächen aufweist und unerfahrene Ärzte und Notfallsanitäter mit großen Unsicherheiten in ihren Beruf starten, lässt sich kaum bestreiten. Hieraus ergibt sich ein klarer Bedarf, Ausbildungsstrategien und -ziele anzupassen. Die Fragestellung hinter jeder Maßnahme  muss lauten: Wie erreiche ich eine Handlungs- und Entscheidungskompetenz des Lernenden?

In der Entwicklung der letzten Jahre ist festzustellen, dass diese Erkenntnis langsam wächst und damit auch die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden können. In puncto Umsetzung und Machbarkeit im Unterricht scheinen virtuelle Patienten derzeit viele Vorteile zu bieten. Dieser Ansatz zeigt sich zudem als effektive und gleichzeitig effiziente Lehr- und Lernmethode. Letztendlich sollten wir flächendeckend zu der Erkenntnis gelangen, dass Clinical Reasoning ein bewusster Vorgang in der Patientenversorgung sein muss – begründet auf sicheren Erkenntnissen der Forschung, einer guten Ausbildung und reflektierten Erfahrungen. Denn im Zentrum sollte immer die Frage stehen: Warum genau mache ich genau jetzt genau das?

RETTUNGSDIENST – Zeitschrift für Präklinische Notfallmedizin
39. Jahrgang l Nr. 7 l Juli 2016 l S. 16 – 19
Autoren: Philipp Güttinger, Georg Hirsch, Lukas Schmitt

Hier den gesamte Artikel herunterladen: Sonderdruck_Clinical_Reasoning_SKILLQUBE

 

Literatur:

1. Klemme B, Siegmann G (2014) Clinical Reasoning: Therapeutische Denkprozesse lernen. 2. Aufl. Thieme, Stuttgart
2. Bowen JL (2006) Educational strategies to promote clinical diagnostic reasoning. New England Journal of Medicine 355 (21): 2217-2225
3. Ochsmann E, Drexler H, Schmid K (2010) Berufseinstieg bereitet vielen Absolventen Probleme. Deutsches Ärzteblatt 107 (14): 654-655
4. Federkiel G (2014) Auswertung der Befragung von Studierenden. Centrum für Hochschulentwicklung. Thieme, Stuttgart, Eberhard Karls Universität, Tübingen. Web: http://www.che.de/downloads/Medizinstudium20_Auswertung_Befragung_1102.pdf zuletzt abgerufen am: 16. Juni 2016
5. St. Pierre M, Breuer G (2013) Simulation in der Medizin – Grundlegende Konzepte – Klinische Anwendung. Springer, Berlin, Heidelberg
6. Duff E, Miller L, Bruce J (2016) Online virtual simulation and diagnostic reasoning: A scoping review. Clinical Simulation in Nursing 12 (9): 377-384
7. Oliven A, Nave R, Hasson-Gilad DR, Baruch A (2013) Medical students’ views on the use of virtual patients for teaching and assessment of clinical knowledge and reasoning. Harefuah 152 (5): 257-61, 310. Hebrew. PubMed PMID: 23885447
8. Maldonado R (2011) The use of multimedia clinical case scenario software in a problem-based learning course: impact on faculty workload and student learning outcomes. J Physician Assist Educ 22 (3): 51-5. PubMed PMID: 22070066
9. Forsberg E, Ziegert K, Hult H, Fors U (2016) Assessing progression of clinical reasoning through virtual patients: An exploratory study. Nurse Education in Practice 16 (1): 97-103
10. Delany C, Golding C (2014) Teaching clinical reasoning by making thinking visible: an action research project with allied health clinical educators. BMC Med Educ 14: 20. doi: 10.1186/1472-6920-14-20
11. Jones M (1997) Clinical reasoning: the foundation of clinical practice. Part 3. Australian Journal of Physiotherapy 43 (4): 6
12. Rogers JC (1983) Eleanor Clarke Slagle Lectureship 1983; clinical reasoning: the ethics, science, and art. American Journal of Occupational Therapy 37 (9): 616
13. Dreyfus S (2004) The Five-stage Model of Adult Skill Acquisition. Bulletin of Science Technology & Society 24 (3): 177-183
14. European Comission (2016) project proposal 697403/Body Interact/SME Instrument, Horizon 2020 – EU framework programme for research and innovation 2014 – 2016, Brussels, web: https://www.skillqube.com/simulationsprodukte/body-interact/ zuletzt abgerufen am: 10. Juni 2016

Body Interact: 
Medizinisches Zirkeltraining der besonderen Art


 

Auf der „InSIM 2015“, die vom 15. bis 17. Oktober in München stattfand, präsentierte die Skillqube GmbH erstmals in Deutschland „Body Interact“, eine interaktive medizinische Fallsimulation, die sowohl online als auch via PC oder Tablet verfügbar ist. Insbesondere im Hinblick auf die standardisierte Ausbildung künftiger Notfallsanitäter bietet das neue Gerät viele Vorteile.

Der Patient ist 57 Jahre alt und klagt über Schmerzen in der Brust, die jedoch zum Zeitpunkt der Befragung bereits wieder abgeklungen sind. Auch über seine letzte Mahlzeit, Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation gibt er bereitwillig Auskunft. Ein 12-Kanal-EKG schreiben, die Lunge und das Herz abhören oder einen Zugang legen? Kein Problem. Die in Body Interact hinterlegten Fallbeispiele bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten der Interaktion mit dem jeweiligen Patient – bis hin zur Defibrillation.

Auch für die Integration in den medizinischen Unterricht hat Body Interact einiges zu bieten: „Der virtuelle Patient kann beispielsweise über einen Beamer an die Wand projiziert, das weitere Vorgehen gemeinsam beraten werden“, berichtet Georg Hirsch, Produktspezialist für Body Interact bei Skillqube. „Oder die Schüler üben online von Zuhause aus die vom Dozenten vorgegebenen Fallbeispiele.“ Als zusätzliche Ausstattung ist Body Interact auch mit einem Touch-Tabletop, einem Tischfernseher mit Touchscreen-Oberfläche, lieferbar.

Am Ende eines jeden Fallbeispiels wird der Anwender aufgefordert, eine Diagnose zu stellen. Ebenfalls hinterlegt ist das sogenannte Debriefing, also die Nachbesprechung des gerade absolvierten Fallbeispiels. Zunächst werden alle getroffenen Maßnahmen in einer Zeitlinie dargestellt, dem folgt – ebenfalls auf der Zeitlinie – die Kombination aus Maßnahmen und Zustand des Patienten. Wenn vom Dozenten gewünscht, können auch Lernmedien zu dem jeweiligen Fallbeispiel als PDF-Dokument, PPT-Präsentation oder Video hinterlegt werden. Zum Abschluss zeigt ein Leistungsbericht dem Anwender, wie erfolgreich seine Maßnahmen im durchgeführten Szenario waren. „Body Interact ermöglicht nicht nur spielerisches Lernen, sondern insbesondere eine sogenannte ‚clinical reasoning education’, also evidenzbasiertes Lernen nach neuesten wissenschaftlichen Empfehlungen“, so Hirsch weiter. „Der Schüler lernt auf der Basis von Diagnostik und Algorithmen die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Body Interact ist ein Produkt des portugiesischen Unternehmens TTW Take The Wind Ltd. mit Sitz in Coimbra. Die Entwicklung der neuartigen Patientensimulations-Software nahm fast fünf Jahre in Anspruch. Eingesetzt wird Body Interact unter anderem bei Schulungen des Pharmaunternehmens Böhringer-Ingelheim. Rein rettungsdienstliche Szenarien, die auf aktuellen und standardisierten Versorgungsrichtlinien basieren, wie sie etwa in Hessen und Rheinland-Pfalz gültig sind, werden aktuell gemeinsam mit Skillqube entwickelt. Diese werden ab Januar 2016 erhältlich sein.